Geschichte

Roterpunkt

Die Geschichte der Sozialdemokratie in unserer Samtgemeinde


Von unserem Genossen Kurt Bratmann

Einführung

Die Geschichte der Sozialdemokratie in Tarmstedt ist die Geschichte von Außenseitern. Erst in jüngerer Zeit änderte sich das allmählich. Der Zuzug vieler Bremer, die hier billiges Bauland erwerben konnten und die sozialliberale Koalition mit dem Bundeskanzler Willy Brandt an der Spitze sorgten dafür, dass sich der rote Punkt auf schwarzem Feld vergrößerte und zu einem Flecken wurde.
Die Geschichte der Sozialdemokratie in unserer Samtgemeinde - Teil I bis 1933
Erste Spuren von Sozialdemokraten finden wir, wenn wir uns Wahlergebnisse aus den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts anschauen. In allen Jahren kandidierte die SPD mit eigener Liste. Wenn wir uns das politische Umfeld jener Jahre ansehen, dann müssen wir feststellen, dass die ländliche Bevölkerung konservativ eingestellt war, was auch aus den Tarmstedter Resultaten der Reichstagswahlen ersichtlich wird.
 

Reichstagswahl SPD DVP Zentrum DDP DNVP KPD NSDAP Welfen
1920 12 16 1 50 65 7 0 196
1924 8 14 0 25 14 1 0 233
1928 43 15 0 0 0 4 10 179
1930 56 15 0 0 49 1 24 230
1932 I 47 8 0 0 19 8 364 70
1932 II 38 2 0 0 41 33 283 101
1933 12 2 0 0 45 5 480 101

Quelle: Schulchronik Tarmstedt

 Betrachten wir diese Ergebnisse genauer und berücksichtigen den politischen Hintergrund jener Jahre, so müssen wir mit Waldemar Besson sagen: "Friedrich Ebert hat das Reich gerettet, aber eine Demokratie ohne Demokraten war nicht zu schaffen."1)
Der Versailler Vertrag mit seinen harten Bedingungen war eine schwere Bürde für die Republik. Demokratische Abgeordnete wurden von Rednern und der Presse aus dem konservativen Lager hemmungslos beschimpft. So war die junge Republik von Anfang an gefährdet. Nicht einmal in der Reichshauptstadt Berlin war die Reichsregierung vor Putschversuchen und Attentaten sicher. Der Kapp-Putsch ist dafür ein beredtes Beispiel. So verlegte die Regierung für einige Zeit ihren Sitz nach Weimar, um vor Gewaltanschlägen und Putschversuchen sicher zu sein (Weimarer Republik).
Als weitere Problematik kam mit der Inflation 1923 eine Wirtschaftskrise, die erst mit der Einführung der Rentenmark ein vorläfiges Ende fand. Es folgte eine kurze Phase der Beruhigung, die man als die "goldenen Zwanziger (Jahre)" bezeichnet. Aber schon 1929 kam es zur Weltwirtschaftskrise, die in Deutschland zur Massenarbeitslosigkeit führte. 1930 betrug die Zahl der Beschäftigungslosen 4,4 Millionen.
All dies ging auch an den Dörfern der späteren Samtgemeinde Tarmstedt nicht spuros vorüber. Auch hier gingen Bauernhöfe pleite. Auch die täglichen Meldungen in der Zeitung waren nicht dazu angetan, die Existenzangst bei vielen Menschen zu beseitigen. Wen sollte man wählen? Am besten schien es, deutsch-hannoversch zu wählen. Das war für Tarmstedt und die umliegenden Dörfer, so meinte man, das Richtige. Mit dieser Wahlentscheidung identifizierte man sich nicht mit den großen Parteien.
Unter diesen Umständen ist es ein Wunder, dass die SPD bei den Reichstagswahlen 1928,1930 und 1932 über 40 Stimmen in Tarmstedt erhielt. Bei der zweiten Reichstagswahl lag sie mit 38 Stimmen knapp darunter. Aber die KPD war von 8 auf 33 Stimmen gekommen. Waren da SPD-Wähler nach links abgedriftet?
Die Reichstagswahlen vom März 1933, die die SPD zu einer verschwindenden Minderheit anscheinend werden ließ, wurden unter Druck der Nazis durchgeführt. Das Ergebnis war wie in anderen Orten auch "eindeutig". Während der 12-jährigen Hitlerdiktatur war die SPD verboten.

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1)Waldemar Besson: "Friedrich Ebert - Verdienst und Grenzen", Göttingen 1963, Seite 92
 Copyright der Bilder: Archiv der Sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung
 

Nach 12 Jahren Hitlerdiktatur demokratischer Neubeginn

Der demokratische Neubeginn in Tarmstedt begann undemokratisch, denn Captain Masters, Kommandeur der britischen Truppeneinheit in Tarmstedt, war nicht zimperlich im Umsetzen des von den Alliierten beschlossenen "Reeducation Program". Einige Tarmstedter erinnern sich, dass Captain Masters den damaligen Seelsorger der Tarmstedter Salemsgemeinde, Pastor Kemna, nach einem geeigneten Mitglied seiner Gemeinde fragte, den er mit dem Amt eines Gemeindedirektors vertrauen könnte. Pastor Kemna schlug ihm den Sattlermeister Karl Kahrs vor. In ihm hätten sie einen verläßlichen Mann, der die britischen Militärs bei ihrem Vorhaben, das öffentliche Leben in Tarmstedt zu organisieren, unterstützen würde. So kam Karl Kahrs zum ersten Mal in das Amt eines Gemeindedirektors, das er danach lange Jahre ausüben sollte. Am 30.10.1945 erfolgte eine weitere Maßnahme: Der erste Gemeinderat wurde von der britischen Militärregierung eingesetzt. Ihm gehörten zwöf Ratsherren, ein Flüchtlingsbetreuer und Karl Kahrs als Bürgermeister an.
Freie Wahlen
Am 15. September 1946 fanden die ersten freien und geheimen Wahlen zum Gemeinderat statt. Die Vorbereitungen verliefen ziemlich ruhig. Von einem Wahlkampf war nicht viel zu spüren, weil
1. die Kandidaten einen Wahlkampf nicht kannten und
2. Papierknappheit herrschte und deshalb kaum Plakate oder Handzettel gedruckt werden konnten.
Sieger dieser ersten demokratischen Wahl nach dem Hitlerfaschismus wurde in Tarmstedt ganz eindeutig die niedersächsische Landespartei (NLP). Sie war in ihrer Ausrichtung eine Art Nachfolgeorganisation der früheren Deutsch-Hannoverschen Partei, die vor allem welfische oder monarchistische Ziele verfolgte. Im Laufe der Zeit ging aus dieser Partei die Deutsche Partei hervor, die dann von der CDU aufgesogen wurde.
Vergleichen wir den jetzt frei gewählten Gemeinderat mit dem von der britischen Militärregierung eingesetzten Rat, so fällt auf,
1. dass sich erste Parteien gebildet haben, die auch auf unterster Ebene Kandidaten aufstellten,
2. dass wieder keine Frau im Rat vertreten ist,
3. dass sieben Mitglieder bereits dem von den Briten eingesetzten Rat angehörten,
4. dass diese sieben Ratsmitglieder wohl Interesse hatten, einerseits die deutsch-britischen Verbindungen zu stärken, aber auch wollten, dass es wieder vorwärts und aufwärts ging mit Handel und Wandel,
5. dass sich bereits jetzt eine parteipolitische Konstellation herausbildete mit einer erdrückenden konservativen Mehrheit und einer verschwindend geringen Minderheit Sozialdemokraten,
6. dass es bei solchen Mehrheitsverhältnissen sehr schwer war für die Sozialdemokratie, sich wirksam im Rat und in der Öffentlichkeit zu präsentieren.
Der Tarmstedter Gemeinderat war ein Parlament ohne wirksame Opposition. Aber von nun an kandidierten Tarmstedter Bürger auf SPD-Listen. Wie sie organisiert waren oder welchem SPD-Ortsverein sie angehörten, ist nicht bekannt.
Die Niederlage der SPD bei den Kommunalwahlen nicht nur in Tarmstedt, sondern auch in anderen Gemeinden im Elbe-Weser-Dreieck, kam wohl für viele politische Beobachter überraschend; denn viele glaubten, dass nach den Erfahrungen mit dem Nazi-Regime die große Stunde der SPD schlüge, weil sie die letzte Oppositionspartei war, die versuchte, auch nach Hitlers Machtergreifung gegen die NS-Politik Widerstand zu leisten. Aber die Mehrheit hier blieb konservativ. Hinzu kam bei älteren "bürgerliche" Wählern, dass sie immer noch seit der Weimarer Republik in der SPD eine klassenkämpferische Partei sahen, die "man nicht wälen konnte".

Wie ging es in Tarmstedt weiter?
Ende Januar 1946 verließen die letzten englischen Truppen Tarmstedt. Damit wurden auch die letzten Häser und die Schule von den britischen Truppen gerämt. Aber das interessierte die Mehrheit der Menschen überhaupt nicht. Sie fragten nur danach, wie sie durch den Winter kämen. Wo sollten sie etwas zu essen finden? Vor allem warme Mahlzeiten! Heizmaterial gab es nicht. So begann im Moor eine rege Torfstecherei. Der Rat wies jedem Haushalt eine Torffläche zur Nutzung zu. An Kohlezuteilungen war nicht zu denken.
Auf dem Lande blühte der der "grüne Markt". Die Städter, "Hamsterer" genannt, kamen in wahren Menschenmassen mit der Kleinbahn "Jan Reiners" nach Tarmstedt un in die umliegenden Dörfer und tauschten ihre vom Bombenkrieg geretteten Utensilien gegen Nahrungsmittel ein, nur um satt zu werden. Aber dass es noch Hoffnung gab, verrät uns dieser Vers, der 1946 bereits die Runde machte:
"Wer 1946 nicht verhungert,
wer 1947 nicht verreckt,
der kann 1948 essen, was ihm schmeckt."
Unter diesen Bedingungen fanden am 20. April 1947 die ersten Wahlen zum Niedersächsischen Landtag statt. Bei einer Wahlbeteiligung von nur 65,1% erlangte die SPD 43,4% und stellte mit Hinrich Wilhelm Kopf den ersten Ministerpräsidenten.
1948 fanden erneut Gemeinde- und Kreistagswahlen statt. Dabei gab es drei verschiedene Listen: SPD, DP (Deutsche Partei) und FDP. Interessant ist die Zusammensetzung der Kandidaten.
Bei den Sozialdemokraten kandidierten 3 Arbeiter, 2 Landwirte, 2 Handwerker und 1 Händler. Es war die Kleine-Leute-Partei.
Ganz anders die DP: 1 Unternehmer, 1 Beamter, 1 Kaufmann, 7 Landwirte, 3 Handwerksmeister und 1 Arbeiter. Für die FDP kandidierten zwei Landwirte, 7 Handwerker, 1 Kaufmann, 1 Gastwirt, 1 Handwerksmeister, 1 Unternehmer und eine Hausfrau.
Die beiden "bürgerlichen" Listen unterschieden sich kaum in ihrer Zusammensetzung. Lediglich im bäuerlichen Bereich tendierte wohl die Mehrheit zur DP.
Das Ergebnis fiel entsprechend aus:
DP 1276 Stimmen
FDP 850 Stimmen
SPD 545 Stimmen.
Bei den Kommunalwahlen am 9.11.1952 kandidierten 7 B&uum;rger Tarmstedts für die SPD. Es waren die Arbeiter Hinrich Grotheer, Johannes Kahrs und Hermann Grimm sowie die Landwirte Hermann Grotheer, Martin Stelljes und Georg Schnackenberg. Ferner kandidierte der Kraftfahrer Heino Fuhrhop. Gewählt wurde nur Hinrich Grotheer. Für den Kreistag kandidierten aus der heutigen Samtgemeinde:
Hinrich Grotheer (Tarmstedt), Arthur Walerius, Johann Börsdamm (beide Vorwerk), Adolf Pawlowski (Breddorf), Ernst Schiller (Wilstedt), und Kurt Schmidt (Bülstedt).
Wieder kandidierten nur Männer und auch von einem Ortsverein ist weit und breit nichts zu vermelden.
Eine etwas veränderte Lage ergab sich bei der Kommunalwahl 1961. Die Deutsche Partei war inzwischen in der CDU aufgegangen, aber noch mochten die bisherigen SRP-Anhänger und DP-Kandidaten nicht auf einer CDU-Liste kandidieren. In diesem überwiegend protestantischen Elbe-Weser-Dreieck hatte man gefühlsmäßig mit der "Katholikenpartei", dem Zentrum, nichts zu schaffen und diese ehemalige Zentrumspatei, die längst in der CDU aufgegangen war, stellte für die hiesigen DP-Freunde doch ein ziemliches Hindernis dar, obwohl Konrad Adenauer ja auch aus der früheren Zentrumspartei hervorgegangen war. In einem kommunalpolitischen Appell, der unter der Überschrift "Wählt die Kandidaten vom Heimatblock!", wird dem Wähler erklärt, dass dieser Heimatblock das Erbe der DP-Fraktion im Kreistag übernehmen werde. Eine klare Abfuhr für die CDU, die diesen Menschen nicht konservativ genug war.
Wie erwartet, errang die Wählergruppe Tarmstedt die Mehrheit im Tarmstedter Gemeinderat. Neuer Bürgermeister wurde mit denkbar knapper Mehrheit von 6:5 Stimmen der Schmiedemeister Hermann Knoop. Sein Gegenkandidat Dr. med. Hans Brandt unterlag mit 5 Stimmen. Die SPD ist in dieser Zeit völlig von der Tarmstedter Szene verschwunden. Im Rat gab es keine Fraktionen. Es wurde mit wechselenden Mehrheiten regiert und eine klare parteipolitische Richtung war nicht mehr zu erkennen.
Auf Kreisebene siegte ebenfalls der Heimatblock. Er konnte fast die Hälfte aller abgegebenen Stimmen erringen. Im Verein mit CDU, FDP und BHE stand die SPD mit ihren 53 Stimmen auf verlorenem Posten.
 

Die Sozialdemokratie nach Bad Godesberg 1959

Auf dem außerordentlichn Parteitag der SPD in Bad Godesberg vom 13. bis 15. November 1958 beschloss die Partei ein neues Grundsatzprogramm. Sie verließ entgültig den Weg des Marxismus und ging den Weg des demokratischen Sozialismus. Sie war eine progressive Volkspartei geworden.
Es sollte aber noch zehn Jahre dauern, bis die SPD den ersten Bundeskanzler stellte. Aber das Programm von Godesberg zeigte bereits Wirkung
1. Der Sozialistische Deutsche Studentenbund, der das Godesberger Programm ablehnte, wurde nicht länger von der Partei gestützt. Die SPD grüdete einen neuen Studentenbund, den SHB (Sozialdemokratischer Hochschulbund)
2. Bei den Wahlen zum Deutschen Bundestag erzielte die SPD am 17.9.1961 mit 36,2% ihr bisher bestes Nachkriegsergebnis. Und das Wahlziel, Brechung der absoluten Mehrheit von CDU/CSU war erreicht.

Die Gründung des SPD-Ortsvereins Tarmstedt bis heute

Sympathisant, Wähler oder gar Mitglied der SPD zu sein, kam einem gesellschaftlichen Abseits gleich. "Wenn ich offen sage, dass ich SPD-Wähler bin, dann wird meine Frau nicht mehr zum Kaffeekränzchen eingeladen und ich kann meinen Laden auch dicht machen", wussten Bürger zu berichten. Aus der Ortschaft Karlshöfen wagte es kaum jemand sich zur SPD zu bekennen, obwohl die Partei hier im Vergleich zu anderen Gemeinden immer gut abschnitt. Eine Isolierung als Folge politischer Gesinnung konnte und wollte niemand riskieren.
Unter diesen Umständen war es auch besonders schwer bei Wahlkämpfen. Fast immer wurden Plakate der SPD abgerissen oder die Genossinnen und Genossen, die Plakate aufhängen sollten, trauten sich schon gar nicht mehr; sie wurde als Freunde Moskaus beschimpft. Und wenn ein SPD-Mitglied auch noch Verwandte in der damaligen DDR hatte und sie besuchen fuhr, wurde hinter vorgehaltener Hand gesagt:
"Hej geiht nu op Parteischool!"
Diese Methoden machten es den Sozialdemokraten schwer, nicht nur in Tarmstedt, sondern auf dem Lande überhaupt Fuß zu fassen.
Das änderte sich erst in den siebziger und achtziger Jahren, als eine Veränderung im Wahlverhalten zu verzeichnen war. Dafür gibt es mehrere Gründe:
1. Da Bauland in unmittelbarer Nähe von Bremen für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht zu bezahlen war, zogen sogenannte "Städter" aufs Land. So entstanden eine Reihe von Neubausiedlungen, die das dörfliche Aussehen gerade in Tarmstedt veränderten. Diese Neubürger waren in der Regel junge Familien oder junge Leute, die Familien gründen wollten. Sie waren politisch aufgeschlossener und standen der vorherrschenden erzknservativen Politik in den Dörfern kritisch gegenüber.
2. Es gab auch Familien, bei denen aus Tradition SPD gewählt wurde.
3. Nach 1965 setzte, hervorgerufen durch die Studentenbewegung um 1968 herum, eine Politisierung der Menschen ein. Man nahm politische Entscheidungen nicht mehr widerspruchslos hin, sondern hinterfragte alles und suchte nach der Legitimation von Amtsinhabern. Diese Diskussionen gelangten auch nach Tasrmstedt, wenn auch der Begriff von der "antiautoritären Erziehung" so ganz nicht Fuß fassen konnte.
4. Die Pläne des Bundesverteidigugsministeriums unter dem Minister Schröder (CDU), das Breddorfer Moor, das zum Teufelsmoor gehört als Bombenabwurfgebiet zu Übungszwecken zu benutzen, riefen die Empörung der Bürger ganzer Landstriche hervor. Diese Bürgerinitiativen waren es, die in den bisher bäuerlich-konservativen Dörfern Spuren hinterließen.
5. Die Kanzlerschaft von Willy Brandt und dessen Bereitschaft zu inneren und äußeren Reformen hatte ebenfalls einen politischen Mobilisierungseffekt.

In dieser Zeit, zwischen 1966 und 1971, muß auch die Gründung eines SPD-Ortsvereins in Tarmstedt erfolgt sein. Durch das Engagement in der Protestbewegung gegen die Einrichtung des Bombenabwurfgebiets hatten sich einige Bürger zusammengetan, um Alternativen in der hiesigen Poltik aufzuzeigen. Leider gibt es aus dieser Zeit keine Unterlagen mehr, weder in Stade, wo sich das SPD-Bezirksbüro für Nordniedersachsen befindet, noch in Berlin bei der Friedrich-Ebert-Stiftung. So sind wir auf mündliche Überlieferungen angewiesen.
Einige Tarmstedter konnten sich daran erinnern - und das ist wahrlich kein optimistischer Anfang für eine Partei - dass die beiden Gründungsmitglieder Reinhold Meyer und Julius Müller kurz nach dieser SPD-Ortsvereinsbildung die Partei verließen und zur CDU gingen.
Der Autor, Kurt Bratmann, erinnert sich an ein Gespräch mit dem SPD-Bildungssekretär Friedrich Börth:
"Auf meine Frage nach einem Ortsverein in Tarmstedt antwortete Friedrich Börth: 'Ach, weißt du, das ist ein trauriger Verein. Sie haben nur wenig Mitglieder und zu allem Überfluss ist der Ortsvereinsvorsitzende zur CDU übergelaufen und der Kassenwart ist mit der Kasse durchgebrannt.' Friedrich Börth wußte, dass ich mich beruflich verändern wollte und schlug mir vor, nach Tarmstedt zu gehen."
Wer war Friedrich Börth? Er nannte sich Bildungssekretär, aber hier in der "Diaspora" sah er sich mehr als Betreuer der SPD-Ortsvereine. Er besuchte so viele SPD-Ortsvereinsversammlungen im Bezirk Nordniedersachsen, wie es in seinen Kräften stand. Häfig war er auch Referent, was was eigentlich seine Aufgabe war. Unvergessen für alle, die ihn kannten, waren seine Darstellungen der Geschichte er Arbeiterbewegung, vom Kampf der Sozialdemokraten im Dritten Reich bis zu seiner Verhaftung und Einwesiung in ein Konzentrationslager. Diese Referate und Berichte blieben gerade bei den jüngeren Parteifreunden haften. Es war aber nicht der Funktionär, sondern der Mensch, der beeindruckt hat.

So richtig in Schwung kam der SPD-Ortsverein, als Christian Meyer zum hiesigen Ortsverein stieß und Heinz Röhrs erster Vorstizender wurde. Jetzt gab es in Tarmstedt eine Reihe von Zusammenkünften, Versammlungen und Unternehmungen, von denen einige "Highlights" hier erwänt werden sollen. Zwar hatte der Ortsverein rein von der Mitlgiederzahl her und auch, was die Besucherzahlen bei Veranstaltungen anbelangt, längst nicht den Zulauf wie andere Gruppierungen, vor allem kirchliche Gruppen, aber der SPD-Ortsverein Tarmstedt war die einzige Vereinigung, die politische Probleme öffentlich zur Diskussion stellte. Auch prominente Persönlichkeiten referierten auf Einladung in Tarmstedt.
So war der frühere niedersächsische Ministerpräsident Alfred Kubel (SPD) hier, da er sich für das "Tarmstedter Modell" der Kooperativen Gesamtschule Tarmstedt interessierte. Dabei muss aber fairerweise angemerkt werden, dass sich auch der CDU-Samtgemeindebürgermeister Hermann Schnackenberg, ein Verfechter des hiesigen Gesamtschulprojekts, zu der Aussprache im Lehrerzimmer einfand. Auf dieser Veranstaltung fragte in Alfred Kubel, der von der großen CDU-Mehrheit hier in den Räten wusste: "Vertragen Sie sich denn im Rat mit meiner Partei?". "Unser Verhältnis ist bestens!", lautete die prompte Antwort des christdemokratischen Kommunalpolitikers. Christian Meyer fügte noch hinzu, dass man ja sachlich weit auseinander liegen könnte, aber man brauche sich doch deshalb nicht zu verleumden. Schließlich hätte die sachliche Art der Auseinandersetzung um die Form der Gesamtschule Tarmstedt zu diesem jetzigen "Tarmstedter Modell" geführt, um das die Samtgemeinde von vielen anderen Schulen beneidet wurde.
Auch der frühere Bundesarbeitsminister Helmut Rohde besuchte die Samtgemeinde während eines Wahlkampfes. Es war ein heißer Sommertag und der SPD-Ortsverein sollte für ihn ein Nachmittagsprogramm organisieren. Wegen der Hitze verlegte man die Zusammenkunft in die zum Wilstedter Schwimmbad gehöhrende Gaststätte. Aber solche ad-hoc-Veranstaltungen hatten nur wenig Erfolg, noch dazu bei ungünstiger Witterung.

Eine Massenveranstaltung war ein Open-Air-Konzert, das am Tarmstedter Baggersee hinter den Sportplätzen des TuS Tarmstedt stattfand. "Wir müssen der Jugend etwas bieten, sonst laufen sie uns davon!" Unter diesen Leitsätzen wurde dieses Konzert organisiert. "Das kriegt ihr nie hin!", sagten einige pessimistische Genossen. "Wenn zwanzig Jugendliche kommen, dann sind das viel," meinte ein anderer Genosse und wettete sogar, dass dieses nie und nimmer zu einer Großveranstaltung werden würde. Er schien Recht zu behalten; denn vor der Fülle von Auflagen, die dem SPD-Ortsverein von Seiten der Gemeindeverwaltung gemacht wurden, schienen viele zu kapitulieren. Es musste für Toiletten gesorgt werden, Ordner mussten vorhanden sein, um für Sauberkeit auf dem Gelände zu sorgen und bei eventuellen Prügeleien von Randalierern eingreifen zu können. Das Personal musste aufpassen, dass kein Alkohol an Jugendliche ausgegeben wurde und - und - und. Es schien nichts zu werden. Aber die "Macher" gaben nicht auf. Ein Stromkabel wurde zum Baggersee gelegt. Nun konnte es losgehen. Eine Rockgruppe aus Bremen, die im Stile von "Dire Straits" spielte, heizte mächtig ein. Und viele, viele kamen!
Solche Klänge hat man in Tarmstedt auf öffentlichen Veranstaltungen noch nie gehöhrt", war die einhellige Meinung der ca. 300 Besucher.

Ein weiterer Schwerpunkt der politischen Abeit war die Bildungspolitik. Hier in Tarmstedt war es gelungen, ein Modell der Kooperativen Gesamtschule zu entwickeln, das sowohl der CDU (die das herkömmmliche dreigliedrige Schulsystem beibehalten wollte) als auch der SPD (die die Einf&/uuml;hrung der Integrierten Gesamtschule als Zielvorstellung hatte) akzeptabel erschien. Dieser Kompromiss war das Produkt einer konstruktiven Zusammenarbeit von CDU, FDP und SPD auf der parteipolitischen Ebene und dem Elternrat, der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und dem hiesigen Lehrerkollegium zum Wohle der Kinder.

Dieses "Tarmstedter Modell" schien unter der CDU-Regierung von Ministerpräsident Albrecht gefährdet. Die Landesregierung plante eine Novellierung des Schulgesetzes und stieß dabei auf massiven Protest in Tarmstedt, so dass der damalige CDU-Kultusminister Werner Remmers (CDU) nach Tarmstedt kommen musste. Er sah sich die Schule an und erklärte, dass man das Schulwesen in Tarmstedt nicht ändern wollte, weil alle für den Erhalt dieser KGS seien. Aber auch die SPD-Landtagsfraktion wurde über die Tarmstedter Ergebnisse informiert und schickte eine Gruppe von Landtagsabgeordneten, um sich über die KGS zu informieren.

Seit 1980 war Wolf Vogel 1. Vorsitzender des SPD-Ortsvereins. Er übernahm das Amt von Heinz Röhrs, der wegen Arbeitsüberlastung nicht wieder kandidierte.
Während Wolf Vogels Amtszeit gab es im Ortsverein eine MEnge an Neuerungen. Erstmals betätigte sich die SPD auch als "Reiseunternehmen". So führte die erste Reise nach München.
Mit den Forstbeamten Paul und später Klietsch wurden Informationsgänge durch den Hepstedter Ummel unternommen, um sich die umweltbeschädigten Wälder anzuschauen.
Auch ein Kabarett wurde für den Wahlkampf engagiert. So trat das Mainzer Studentenkabarett "Die Sense" mit dem "Kohldampfradio" in Tarmstedt auf.
Aber auch außerhalb der Samtgemeinde Tarmstedt gab es Veranstaltungen, an denen die Mitglieder des SPD-Ortsvereins und deren Angehörige teilnehmen konnten. So wurden Fahrten in die nähere Umgebung und auch in die Ferne organisiert. Es wurde das ehemalige Kriegsgefangenenlager in Sandbostel im Jahre 1992 besucht und die Ausstellung "Der Jüdische Kulturbund 1933-1941" im darauffolgenden Jahr.

Mit dem Slogan "Tu was mit der SPD" machte der SPD-Ortsverein Tarmstedt wieder auf sich aufmerksam. Hier ging es darum, dass sich interessierte Bürgerinnen und Bürger und die SPD gemeinsam für oder gegen eine Sache einsetzten.
Auch zur Universität Bremen knüpfte die SPD Kontakte. So war es Christian Meyer gelungen, den bekannnten Historiker Imanuel Geis zu einem Vortrag am 7. Mai 1985 mit dem Thema "Die Deutsche Frage" zu gewinnen. Besser konnte des 40. Jahrestages der bedingungslosen Kapitulaton Nazideutschland nicht gedacht werden.

Im Jahre 1990 löste Andreas Meyer aus Wilstedt Wolf Vogel als Vorsitzenden ab. Wolf Vogel konnte wegen Arbeitsüberbelastung dieses Amt nicht weiterführen. In seinem Rechenschaftsbericht wurde von ihm noch einmal Rückschau auf die letzten 10 Jahre gehalten. Dabei muss gesagt werden, dass der Ortsverein Tarmstedt neben poltischen Themen auch anderen Aktivitäten anbot. So kann man heute sagen, dass der SPD-Ortsverein auch ein Stück Kulturgeschichte nach Tarmstedt gebracht hat.
Leider konnte sich Andreas Meyer nur kurz eimarbeiten, da zwangen ihn berufliche Gründe (Arbeit in Südamerika), sein Amt zur Verfügung zu stellen. In einer späteren Versammlung des OV`s berichtete er über seine Südamerika-Erfahrungen.

Peter Hildebrandt folgte ihm. Auch er ging mit viel Elan an seine neue Aufgabe.
Auf der Jahreshauptversammlung am 31.1.1994 wurde Wilfried Fischer, Konrektor an der Tarmstedter Grundschule, zum neuen Vorsitzenden gewählt, Stellvertreter wurde Kurt Bratmann.

Bei der Bundestagswahl am 27. September 1998 lag die SPD mit 45 % in der gesamten Samtgemeinde (ein Plus von knapp 9 % gegenüber 1994) erstmals vor der CDU, die nur noch auf 37,5 % in ihrer ehemaligen Hochburg kam.
Die Kreistagswahl im Herbst 2001 verlief für die SPD enttäschend. Christian Sonnenwald, der SPD-Landratskandidat errang nur 42,2% gegenüber Dr. Hans-Harald Fitschen von der CDU, die kreisweit mit 49,4 % der Stimmen die absolute Mehrheit im Kreistag hat. Entgegen den Landestrend konnten sich die Sozialdemokraten auf Samtgemeindeebene mit 5,1 % Zugewinn erheblich verbessern, bieben aber mit 43,8 % der Stimmen deutlich hinter der CDU, die 50,3 % erhielt. Doch in der Gemeinde Wilstedt gab es doch einen Wechsel. Die Wümmezeitung vom 28.9.2001 schilderte, wie Verhandlungen zwischen der Bürgerliste "Natürlich Wilstedt" und der SPD vertieften. Schließlich einigte man sich auf eine Zusammenarbeit im Gemeinderat, und damit war der Weg für Günther Nase frei, um als erster sozialdemokratischer Bürgermeister in Wilstedt und der Samtgemeinde Tarmstedt die Geschicke des Kirchdorfs zu lenken.
Bei der Kommunalwahl 2006 konnte die SPD ihre Position insgesamt innerhalb der Samtgemeinde leicht stärken. Die Gemeinde Wilstedt blieb nach einem turbulenten Wahlkampf sozialdemokratisch. Mit Wolf Vogel stellt die SPD nun auch in Tarmstedt - 750 Jahre hat es gedauert - den Bürgermeister. In Westertimke wird dieses Amt auch von einem Sozialdemokraten - Hans-Joachim Nicolaus - wahrgenommen, jedoch als Kandidat der "Wählergemeinschaft Westertimke". Die Breddorfer Genossen stellen nun vier der elf Ratsmitglieder.

Innterparteiliche Demokratie oder
"Wolfgang, hier sind deine Freunde!"
Als sich nach der Bundestagswahl 1969 eine Koalition zwischen SPD und FDP bildete, hofften so manche Bürgerinnen und Bürger, dass nun eine "linke" Politik eingeleitet würde, gemäß der Kanzlerdevise "mehr Demokratie zu wagen nach innen und nach außen".
So war es eine logische Folge, dass man sich auch mit Mitgliedern der DKP (Deutsche Kommunistische Partei) politisch auseinandersetzte.
Die DKP existierte erst seit kurzer zeit, nachdem zu Beginn der fünfziger Jahre das Bundesverfassungsgericht die KPD als verfassungsfeindlich eingestuft und verboten hatte. Nun wollte diese Partei an Wahlen teilnehmen.
Bevor sie aber Wahllisten mit Bewerbern für ein politisches Mandat erstellen durfte, musste dafür eine gewisse Anzahl von Unterschriften gesammelt werden. Mit diesen Unterschriften erklärten sich die Unterzeichnenden mit der Kandidatur der DKP einverstanden. das bedeutete aber nicht, das die Befürworter einer Liste von DKP-Kandidaten diese Partei auch wählen würden.
Unter dem Motto "Mehr Demokratie" hatten eine Reihe von SPD-Genossinnen und Genossen arglos eine Kandidatur der DKP befürwortet und unterschrieben. Die Folge war, dass alle Genossen, die unterschrieben haben, ein Parteiausschlussverfahren bekamen. Schon diese Befürwortung, dass andere Parteien Kandidatenlisten erstellen, sah der Parteivorstand als parteischädigendes Verhalten an; denn als SPD-Mitglied unterstützt man die eigene Partei und keine andere politische Gruppierung.
Einige Mitglieder verließen darauf hin die SPD, weil eine Diskussion darüber nicht stattfand. Genossinnen und Genossen, die es dennoch agten, sich für die Kandidatur von DKP-lern einzusetzen im Sinne von mehr Demokratie, wie sie meinten, wurden aus der SPD ausgeschlossen. Auch ein Tarmstedter Genosse war dabei.

Es zeigte sich aber an dieser rigorosen Vorgehensweise, wie unsicher die SPD jetzt, seit dem sie den Kanzler stellte, angesichts der sich sammelnden Konservativen war. Karl Ravens sagte damals sinngemäß: Oppositionspartei zu sein, das haben wir gelernt, aber Regierungspartei sein, das bedeutet Umstellung.

Im Jahre 1980 erschien als Antwort auf die erklärung des Bundeskanzlers Helmut Schmidt zum Nato-Doppelbeschluss der "Krefelder Appell". Vorausgegangen war eine Verlautbarung, wonach Bundeskanzler Helmut Schmidt die Vereinigten Staaten und die Nato auf einen Rüstungsrückstand gegenüber dem Ostblock hinwies und eine Nachrüstung forderte.

Diese Nachrüstungsfrage sollte für die SPD-geführte Bundesregierung nicht ohne Folgen bleiben, weil ein Teil der Partei der Führung in dieser Frage nicht folgen wollte. Als der Krefelder Appell veröffentlicht war und auch 24 SPD-Bundestagsabgeordnete ihre Fraktion aufgefordert hatten, bei ihren Haushaltsberatungen am 26.1.1981 für eine Kürzung der Verteidigungsausgaben um eine Milliarde Mark zugunsten der Entwicklungshilfe zu stimmen, brach in Teilen der Partei eine lebhafte Auseinandersetzung um die Rüstungspolitik uas.
In vielen Städten und Gemeinden bildeten sich Friedengruppen, in denen neben Sozialdemokraten auch Grüne und kirchliche Gruppen sowie Parteilose vertreten waren. Diese "Friedensbewegung" versuchte, mit Demonstrationen gegen Krieg und Gewalt dieses Vorhaben zu stoppen.

Auch in Tarmstedt kam es zur Bildung eines Friedensarbeitskreises, dem auch Sozialdemokraten angehörten. Es gab immer wieder mal Auseinandersetzungen zwischen Genossen, die Helmut Schmidt`s Kurs auf Nachrüstung befürworteten und denen, die sich in dieser Frage mit den Friedensarbeitskreisen solidarisierten. So spiegelte der SPD-Ortsverein genau das wieder, was auch für die Bundesrepublik galt; die Partei war in dieser Frage uneins.

Der Bundestagsabgeordnete Wolfgang Schwenk, der zum rechten Flügel der SPD-Bundestagsfraktion gehörte und ein Anhänger der Nachrüstungspläne war, wurde von der Samtgemeinde Tarmstedt und von dem Fla-Rak-Abwehrbataillon in Westertimke zu einem öffentlichen Auftreten der Soldaten auf dem Busbahnhof in Tarmstedt eigeladen. Es hatte sich eine Reihe von Bürgerinnen und Bürgern eingefunden, um den Zapfenstreich beizuwohnen - darunter viele Mitglieder des Friedensarbeitskreises. Da ein Anlieger, der mit der Friedensgruppe sympathisierte, seinen Vorgarten den Angehörigen des Friedensarbeitskreises zur Verfügung stellte, konnten mitgebrachte Plakate nicht beshlagnahmt werden und auch die dort zusammengekommenen Friedensdemonstranten konnten nicht auseinandergetrieben werden. So standen plötzlich Genossen auf Wolfgang Schwenks Seite und die anderen standen bei der Friedentruppe. Wolfgang Schwenk schien die gegen solch militärisches Auftreten demonstrierenden Parteifreunde gar nicht zu bemerken. Oder betrachtete er sie bewusst nicht?

Plötzlich ruft einer der Demonstranten, der dem SPD-Ortsverein angehörte, laut und vernehmlich:
"Wolfgang, hier sind deine Freunde!"
Wolfgang Schwenk schien das kalt zu lassen. Aber dass es ihn getroffen hatte, wurde dem SPD-Ortsverein aus Stade vom Bezirksvorstand mitgeteilt. Gegen den Rufer wurde auf Bezirksebene ein Parteiausschlussverfahren eingeleitet. Dem entging der Demonstrant jedoch, indem er noch vor dem Urteilsspruch der Schiedskommission aus der SPD austrat und nun einen Ortsverein "Die Grünen" in Tarmstedt gründete. Die Tarmstedter SPD hatte einen aktiven Genossen verloren

Innerparteilich wurde dieses Thema in Tarmstedt offiziell nicht diskutiert. Aber das Beispiel zeigt, dass politische Richtungskämpfe an der Basis nur dann geduldet werden, wenn kein "Prominenter" damit hineingezogen wird. Die SPD-Führung hatte nicht gemerkt, dass die innerparteiliche Diskussion um die Nachrüstung, die ohne Not vom SPD-Kanzler Helmut Schmidt angezettelt worden war, noch lange nicht abgeschlossen war. Die Partei sprach mit zwei Zungen, und das führte schließlich auch zum Bruch der sozialliberalen Koalition und zu CDU-Herrschaft von Helmut Kohl.

Wenn heute die "Gespensterkoalition" von SPD und PDS als für Deutschland verderblich gebrandmarkt wird, so sei an die Haltung der SPD 1946/47 und zu Beginn der siebziger Jahre erinnert. Die SPD ging ideologisch immer auf Trennkurs und das geschieht bestimmt wieder, wenn die PDS auf größeren Umarmungskurs geht. Und dass sie dann nicht zimperlich umspringt, beweisen im Kleinen die beiden geschilderten Beispiele.
 

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Umwelt und Nachhaltigkeit

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Unsere Ressourcen klüger nutzen. Nur so schützen wir die Natur und sind gleichzeitig produktiv.

 

Wirtschaft

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Wirtschaft braucht Freiheit und Regeln. Sie soll den Menschen dienen, nicht umgekehrt.

 
 

 


 
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