Der Ortsverein der SPD Tarmstedt wird 50 Jahre alt

Pressemitteilung des SPD-Ortsvereins Samtgemeinde Tarmstedt Der Ortsverein der SPD Tarmstedt wird 50 Jahre alt Am 14.04.1970 wies die Zevener Zeitung in einem kurzen Artikel auf die Gründung des am 08.04.1970 in Tarmstedt gegründeten SPD-Ortsvereins hin. Einleitend heißt es: „In Knoops Gast-stätte fand eine Gründungsversammlung statt, zu der der Kreisvorstand der SPD Bremervörde eingeladen hatte. Der Kreisvorsitzende, Bürgermeister Reitmann (Bremervörde) führte in seinen einleitenden Worten aus, daß durch diesen Schritt dem Wunsch nachgekommen werde, die im Raum Tarmstedt verstreut wohnenden Mitglieder der SPD organisatorisch zu stärken. Darüber hinaus soll eine so große Gemeinde wie Tarmstedt mit Sitz und Stimme in den Gremien der Partei vertreten sein.“ Neben anderen Mitteilungen, dass z.B. in Sittensen jemand angetrunken ohne Führerschein in einem gestohlenen Fahrzeug gefahren war, oder dass in Bremervörde ein Unfall mit einem gestohlenen Fahrzeug verursacht wurde, umfasste der Bericht zur SPD-Gründung in Tarmstedt 34 Zeilen und war nur eine Randnotiz.

Ziemlich genau 25 Jahre vorher, nämlich am 19.04.1945 trafen sich ehemalige Sozialdemokraten in der heutigen Landeshauptstadt Hannover, nachdem sie von amerikanischen Truppen am 10.04.45 befreit worden war. Unter ihnen befand sich der durch seine KZ-Haft gekennzeichnete ehemalige SPD-Reichstagsabgeordnete Kurt Schumacher. Obwohl es verboten war, Parteien zu gründen, setzten sie sich das Ziel, in den westlichen Besatzungszonen die SPD wieder aufzubau-en. Am 6. Mai, also 2 Tage vor dem Kriegsende, wählten sie im Sitzungssaal des Polizeipräsidi-ums Hannover einen provisorischen Parteivorstand, der den Wiederaufbau der SPD organisieren sollte und eröffneten in Hannover-Linden das „Büro Schumacher“. Nachdem die Briten das Parteiverbot für die SPD aufgehoben hatten, trafen sich vom 5. -7. Oktober 1945 in Wennigsen bei Hannover SPD-Mitglieder zur Neugründung der SPD. Kurt Schumacher wurde 8 Monate später auf dem Parteitag vom 9. – 10. Mai 1946 zum Vorsitzenden gewählt. In einer emotionalen Rede machte er deutlich, dass für ihn Deutschland nur eine Zukunft habe, wenn es sich die Prinzipien einer demokratischen Gesellschaft zur Grundlage mache. Dafür war für ihn eine Annäherung an den Westen unumgänglich, aber ebenso notwendig war für ihn auch eine Überwindung des Kapitalismus. Eine Vereinigung von SPD und KPD zur SED, wie sie von Otto Grotewohl (SPD) und Wilhelm Pieck (KPD) in der sowjetischen Besatzungszone vollzogen wurde, kam für ihn nicht in Frage.

Die SPD verlor die erste Bundestagswahl im Jahr 1949 und blieb bis 1966 in der Opposition. Unter dem CDU-Kanzler Kiesinger bildete die SPD von 1966 – 1969 eine „Große Koalition“, in der der SPD-Vorsitzende Willy Brandt Vizekanzler und Außenminister war. Mit der Wahl Willy Brandts zum Bundeskanzler 1969 nahm die deutsche Außenpolitik eine Wende. Die Ostpolitik der sozialliberalen Koalition war eine wesentliche Grundlage für die spätere Wiedervereinigung. Für diese Politik erhielt Willy Brandt 1971 den Friedensnobelpreis.

Bis zu dieser Zeit war die SPD vor allem stark in den Ballungszentren und Städten vertreten. Im ländlichen Raum wie in unserer Samtgemeinde wurde überwiegend konservativ gedacht und gewählt. In der Weimarer Republik bekam die SPD in Tarmstedt bei der Reichtagswahl 1930 mit 56 Stimmen ihr bestes Ergebnis. Nach der Hitlerdiktatur war es für die Kandidaten der SPD sehr schwer, sich bei den Wahlen zu behaupten. Obwohl sich die SPD immer offen gegen die Machtergreifung der NSDAP zur Wehr setzte und in der Zeit von 1933 – 1945 im Untergrund Widerstand leistete, Sozialdemokraten verhaftet und in Gefängnissen und Konzentrationslagern gefangen gehalten wurden, war die Zustimmung der ländlichen Bevölkerung bei den Wahlen nach dem Krieg gering. Auf dem Land wählte man weiterhin konservative Parteien.

Mit dem Zuzug junger Familien in die Speckgürtel der Großstädte veränderte sich auch das Wahl-verhalten der Bevölkerung im ländlichen Raum. Wenn noch in den 50er und 60er Jahren SPD-Sympathisanten bzw. -mitglieder ignoriert wurden und gesellschaftlich im Abseits standen, so fanden sie in den 70er und 80er Jahren zunehmend ihren Weg in die Kommunalparlamente. Mit der Gründung des SPD-Ortsvereins in Tarmstedt wurden immer wieder politische Probleme auf Versammlungen diskutiert, SPD-Ratsmitglieder nahmen die Belange der Bürger ernst und brachten sie in die Kommunalpolitik mit ein. Die SPD war maßgeblich an der Gründung der KGS mit beteiligt. Eine Zusammenarbeit von CDU, SPD und FDP mit Eltern und Lehrkräften als auch der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) führte zum „Tarmstedter Modell“ der Kooperativen Gesamtschule, das sich sogar der frühere Ministerpräsident Alfred Kubel Vorort anschaute. Über viele Jahre hat die SPD durch politische Veranstaltungen und politische Reisen nach Berlin und ins Ausland an der politischen Willensbildung in der Samtgemeinde Tarmstedt aktiv mitgewirkt und immer das Ohr bei den Bürgerinnen und Bürgern gehabt.

Was in den 50er und 60er Jahren noch undenkbar gewesen wäre, gehört heute zum kommunalpolitischen Alltag. Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten der Samtgemeinde Tarmstedt sind und waren Ratsmitglieder der Gemeinderäte, des Samtgemeinderates und des Kreistags. Sie stellten und stellen in Tarmstedt, Bülstedt und Wilstedt die Bürgermeister und bei der letzten Samtgemeindebürgermeisterwahl verfehlte der sozialdemokratische Kandidat Bernd Sievert nur knapp das Ziel hinter dem amtierenden Samtgemeindebürgermeister. Mit Christian Meyer und Hartmut Prelle stellten sie bei den Landtagswahlen 1986 und 1994 die SPD-Direktkandidaten. Heute zählt der SPD-Ortsverein Samtgemeinde Tarmstedt 52 Mitglieder und hat auf seiner letzten Jahreshauptversammlung mit Sylvia Best und Dirk Gröffel für den Vorsitz eine Doppelspitze gewählt. Die Genossinnen und Genossen des Ortsvereins der Samtgemeinde Tarmstedt wollten mit dieser Entscheidung deutlich machen, dass für sie die Gleichstellung der Geschlechter nicht nur in der Theorie ein wichtiges politisches Ziel ist. Anlässlich dieses Jubiläums hatte der SPD-Ortsverein Tarmstedt für den 12.06.2020 eine Jubiläumsfeier geplant, auf der als Gäste unter anderem Lars Klingbeil (MdB und amtierender Generalsekretär der Bundespartei) und Alexander Saipa (Mitglied des Landtages und Generalsekretär der Niedersächsischen SPD) eingeladen worden waren. Diese Feier muss aufgrund der Coronapandemie abgesagt werden und wird auf den 27.11.20 verlegt.

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