Der Ortsverein der SPD Tarmstedt wird 50 Jahre alt

Am 14.04.1970 wies die Zevener Zeitung in einem kurzen Artikel auf die Gründung des am 08.04.1970 in Tarmstedt gegründeten SPD Ortsvereins hin. Einleitend heißt es: „In Knoops Gaststätte fand eine Gründungsversammlung statt, zu der der Kreisvorstand der SPD Bremervörde eingeladen hatte. Der Kreisvorsitzende, Bürgermeister Reitmann (Bremervörde) führte in seinen einleitenden Worten aus, daß durch diesen Schritt dem Wunsch nachgekommen werde, die im Raum Tarmstedt verstreut wohnenden Mitglieder der SPD organisatorisch zu stärken. Darüber hinaus soll eine so große Gemeinde wie Tarmstedt mit Sitz und Stimme in den Gremien der Partei vertreten sein.“ Neben anderen Mitteilungen, dass in Sittensen jemand angetrunken ohne Führerschein in einem gestohlenen Fahrzeug gefahren war, oder dass in Bremervörde ein Unfall mit einem gestohlenen Fahrzeug verursacht wurde, umfasste der Bericht zur SPD-Gründung in Tarmstedt 34 Zeilen und war nur eine Randnotiz.

Zu dieser Zeit war die SPD stark in den Ballungszentren und Städten vertreten. Im ländlichen Raum wurde überwiegend konservativ gedacht und gewählt. In der Weimarer Republik bekam die SPD in Tarmstedt bei der Reichtagswahl 1930 mit 56 Stimmen ihr bestes Ergebnis. Nach der Hitlerdiktatur war es für die Kandidaten der SPD sehr schwer, sich bei den Wahlen zu behaupten. Obwohl sich die SPD immer offen gegen die Machtergreifung der NSDAP zur Wehr setzte und in der Zeit von 1933 – 1945 im Untergrund Widerstand leistete, Sozialdemokraten verhaftet und in Gefängnissen und Konzentrationslagern gefangen gehalten wurden, war die Zustimmung der ländlichen Bevölkerung bei den Wahlen nach dem Krieg gering. Auf dem Land wählte man weiterhin konservative Parteien.

Mit dem Zuzug junger Familien in die Speckgürtel der Großstädte veränderte sich auch das Wahlverhalten der Bevölkerung im ländlichen Raum. Wenn noch in den 50er und 60er Jahren SPD-Sympathisanten bzw. -mitglieder ignoriert wurden und gesellschaftlich im Abseits standen, so fanden sie in den 70er und 80er Jahren zunehmend ihren Weg in die Kommunalparlamente. Mit der Gründung des SPD-Ortsvereins in Tarmstedt wurden immer wieder politische Probleme auf Versammlungen diskutiert, SPD-Ratsmitglieder nahmen die Belange der Bürger ernst und brachten sie in die Kommunalpolitik mit ein. Die SPD war maßgeblich an der Gründung der KGS mit beteiligt. Eine Zusammenarbeit von CDU, SPD und FDP mit Eltern und Lehrern als auch der GEW führte zum „Tarmstedter Modell“ der Kooperativen Gesamtschule, das sich der frühere Ministerpräsident Alfred Kubel Vorort anschaute. Über viele Jahre hatte die SPD durch politische Veranstaltungen und politische Reisen nach Berlin und ins Ausland an der politischen Willensbildung in der Samtgemeinde Tarmstedt aktiv mitgewirkt und immer das Ohr bei den Bürgerinnen und Bürgern gehabt.

Was in den 50er und 60er Jahren noch undenkbar gewesen wäre, gehört heute zum kommunalpolitischen Alltag. Tarmstedter Sozialdemokraten sind und waren Ratsmitglieder der Gemeinderäte, des Samtgemeinderates und des Kreistags. Sie stellten und stellen in Tarmstedt, Bülstedt, Westertimke und Wilstedt die Bürgermeister und bei der letzten Samtgemeindebürgermeisterwahl verfehlte der sozialdemokratische Kandidat Bernd Sievers nur knapp das Ziel hinter dem amtierenden Samtgemeindebürgermeister. Mit Christian Meyer und Hartmut Prelle stellten sie bei den Landtagswahlen 1986 und 1994 die SPD-Direktkandidaten. Heute zählt der SPD-Ortsverein Samtgemeinde Tarmstedt 52 Mitglieder und hat auf seiner letzten Jahrehauptversammlung mit Sylvia Best und Dirk Gröffel für den Vorsitz eine Doppelspitze gewählt. Die Genossinen und Genossen in Tarmstedt wollten mit dieser Entscheidung deutlich machen, dass für sie die Gleichstellung der Geschlechter nicht nur in der Theorie ein wichtiges politisches Ziel ist.

Anlässlich dieses Jubiläums hatte der SPD Ortsverein Tarmstedt für den 12.06.2020 eine Jubiläumsfeier geplant, auf der als Gäste unter anderem Lars Klingbeil (MdB und amtierender Generalsekretär der Bundespartei) und Alexander Saipa (Mitglied des Landtages und Generalsekretär der Niedersächsischen SPD) eingeladen worden waren. Diese Feier muss aufgrund der Coronapandemie abgesagt werden und wird auf den Spätherbst verlegt.

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